Im Folgenden referiert ein Gemeindemitglied von St. Antonius Mantinghausen ausgehend von der Geschichte der Heiligen Agatha von Catanien das Thema „Frauenmorde anno Domini 251 vs. 2025“. Dabei geht es in dem folgenden Text auch um Folter, sexualisierte Gewalt gegen Frauen, Rassismus, Terror, Mord und Suizid.
Die folgende Darstellung ist für Kinder sowie Personen, die dies als Trigger empfinden können, nicht geeignet!
Neben dem namensgebenden Patron unserer Gemeinde, dem Heiligen Antonius, ist auf dem zweiten Fenster seine Stellvertretende abgebildet: die Heilige Agatha.
Die Geschichte der Heiligen Agatha von Catanien
Sie taucht auf der Stele des Pilgerradweges auf, weil ihre Geschichte untrennbar mit dem Feuer verbunden ist. Aber wie sieht diese eigentlich aus?
Agatha wird wahrscheinlich um 235 nach Christus als Kind reicher Eltern auf Sizilien geboren und für ihre Schönheit sehr bewundert. Sie möchte als Geweihte Jungfrau zölibatär leben und trägt als äußeres Zeichen einen Schleier. Das hält die Männer ihrer Zeit nicht davon ab, sie zu begehren. Als Kaiser Decius 250 das Christentum offiziell ablehnt und alle Christ:innen verfolgen lässt, ist Agatha quasi formell wieder auf dem Markt.
Das Martyrium der Heiligen Agatha
Der heidnische Statthalter Quintianus wirbt um sie und wird von ihr abgewiesen – Agatha flieht nach Palermo, wird aber zurückgebracht und verweigert sich ihm weiter. Der Statthalter ist erzürnt darüber, dass er nicht bekommt, was er will. Er lässt sie verhaften und für einen Monat in ein Bordell sperren, auf dass sie sich nicht mehr gegen ihn sträube. Sein Plan geht nicht auf, deshalb veranlasst er Folter: Agatha wird an einen Balken gehängt, ihr werden die Brüste mit Zangen aufgerissen, gebrannt und dann abgeschnitten. Des Nachts erscheint ihr im Verließ Petrus mit Balsam, um ihre Wunden zu versorgen, doch sie lehnt ab.
Auch am zweiten Tag verleugnet sie weiter ihren Glauben nicht und stellt sich damit Quintianus auch nicht zur Verfügung. Dieser lässt die nur mit ihrem Schleier bekleidete Agatha an diesem Tag mit Scherben und glühenden Kohlen malträtieren. Es kommt währenddessen zu einem starken Erdbeben. Das Volk von Catania protestiert draußen, denn Agatha ist in diakonischer Funktion bekannt und sehr beliebt. Sie erwirken ein Ende der Folter, doch Agatha stirbt wenig später im Gefängnis. Nach ihrem Tod erscheint ein hell umstrahlter Jüngling und legt eine Mamortafel in den Sarkophag. Das war am 05.02.251 – Agatha war da (je nach Überlieferung) eher 16 als 25 Jahre alt.
Als sich Agathas Tod zum ersten Mal jährte, bedrohte der Lavastrom des Ätna die Stadt Catania. Je nach Überlieferung wurde dieser durch die sich aus dem Grab erhebende Mamortafel abgelenkt bzw. durch den Schleier aufgehalten, den die Leute dem Ätna entgegentrugen. Der Schleier sei auch mehrfach bei Prozessionen davongeweht, um den Ausbruch des Ätna anzukündigen.
Wegen dieser Wunder ist Agatha heute die Schutzheilige von Catania, der Feuerwehr, der Ammen und Hebammen, der Berg- und Hochofenarbeitenden, bei Erdbeben, Brandwunden, Brustkrebs und noch für viele weitere Gruppen.
Aus Sicht der katholischen Kirche ist Agatha als Märtyrerin gestorben, weil sie auch unter Folter zu ihrem Glauben gestanden hat, bis sie starb. Anders betrachtet ist Agatha an einem gekränkten männlichen Ego zu Tode gekommen.
Da hat sich in den vergangen knapp 2000 Jahren hoffentlich etwas getan, oder?